LOS ANGELES MUSEUM TOUR 2016 TEIL I

Los Angeles – diese endlose Stadt wirkt wie ein verrücktes Monstrum, ein irrwitziges Fragment, mitten in der Wüste. Aus dem grenzenlosen Mosaik von millionen blassroten Häuern, blauen Swimmingpools und grauen Lagerhallen erhebt sich im Nachmittags-Smog die Skyline von Downtown L.A.

 

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„Greater L.A.“ ist mit 15 Millionen Einwohnern eine der größten Metropolregionen der Welt…

 

….zersiedelt in endlose Suburbs, soweit das Auge reicht.

 

Fremdartige Exotik…

 

und triste Botanik am Straßenrand.

 

Nachts färbt sich der Himmel milchig gelb und die Palmen am Strand von Venice Beach lassen Gefühle einer Endzeitstimmung aukommen…

 

..am Ende des amerikanischen Kontinents. Hier schlagen die Wellen des Stillen Ozeans auf und hier stranden die letzten suchenden Träumer…

 

…und verlieren sich in den blankpolierten Bürotürmen in Downtown.

 

Dort befindet sich auch die erste Station meiner Museum Tour: das MOCA – Museum of Contemporary Art.

 

Eine Tour durch die Sammlung des MOCA macht mir bewusst, dass Kunst oft komparabel ist, mit dem Ort, an dem sie gezeigt wird.

 

Ein Abbild der kühlen Perfektion – Hito Steyerl´s Installation „Factory of the sun“

 

Verspielte Exotik bei Chris Ofili „Monkey Magic“ (1999)

 

L.A. ist die Stadt der verdrehten Träume und exzentrischen Individualisten. Hier eine Fotografie von Matthey Barney „Cremaster 4: Faerie Field (1994)

 

Skurilles Bild der Einsamkeit – Lisa Yusakavage´s Arbeit „Northview“ (2004)

 

Sam Durant „We are all People“ (2003) im Hintergrund

 

Obsession und Perversion unter braven Suburb-Dächern: Manny Farber „Honey Moon Killers“ (1980)

 

Jean Michel Basquiat „Untitled“ (1981)

 

Der Traum vom harmonischen Dasein schmerzvoll eingeritzt: Catherine Opie „Self Portrait“ (1993)

 

Das große Vesprechen als Wallpaper im Museumsflur…

 

Mark Rothko kann meine Kamera auch nach etlichen Versuchen nicht scharfstellen – doch um die Intensität seiner Malerei zu erleben, muss man ihn ohnenhin im Original sehen.

 

Kein großes amerikanisches Museum kommt ohne Jackson Pollock aus, dem König des abstrakten Expressionismus.

 

Helen Levitts Photographien halten das Straßenleben in den Städten fest und werden zu Zeitdokumenten einer vergangenen Ära: „New York“ (1942)

 

Jean Fautrier „Dépouille“ – Überreste. (1945)

 

Gegenüber des MOCA befindet sich das Broad Museum mit seiner charakteristischen Fassade. Benannt ist es nach dem Milliardär und Kunstsammler Eli Broad, der sich mit dem 120 Millionen Dollar teuren Museum ein Denkaml setzte.

 

Reingegangen bin ich allerdings nicht, die Schlange war zu lang und die Hitze zu stark. Stattdessen…

 

…gab´s eine kleine Tour durch den aufgeräumten Financial District in Downtown..

 

…der sich selbstverliebt in polierten Fassaden spiegelt..

 

…und in künstlichen Seen badet…

 

…in dem sogar echte Palmen wie Plaste aussehen.

 

The Geffen Contemporary gehört ebenfalls zum MOCA. Dort war eine Ausstellung über Kunst in der 1990er Jahren zu sehen: „Don´t look back: The 1990s at MOCA“.

 

Toba Khedoori „Untitled (Seats)“ (1996)

 

Do-Ho Suh „Seoul Home/ L.A. Home/ New York Home/ Baltimore Home/ London Home/ Seattle Home/ L.A. Home“ (1999)

 

Sue Williams „The Artworld can suck my proverbial dick“ (1992)

 

Barbara Kruger „Untitled (It´s our pleisure to disgust you)“ (1991)

 

Jack Pierson „You are allowed to touch things“ (1991)

 

…das Museum sieht das aber anders.

 

American Dream: Cady Noland „Misc.Spill“ (1990)

 

Ewige Präpupertät von Mark Dion „When Dinosaurs ruled the Earth (Toys R Us)“ (1994)

 

Im letzten Raum versteckt erwartet mich die fantastische Welt von Sarah Sze. Schon auf der 55. Venedig Biennale verzauberte die Künstlerin den Amerikanischen Pavillion mit ihren Installationen aus alltäglichen Gebrauchgegenständen, die sie kunstvoll miteinander verbindet in ein komplexes, auf den ersten Blick chaotisch wirkendes System.

 

Doch beim näheren Hinsehen erschließt sich dem Betrachter ein zartes, fragiles und funktionables Biotop, dass einer geordneten Struktur unterliegt.

 

Ventilatoren erzeugen leichte Bewegung und eine punktuierte Ausleutchtung lässt alles lebendig wirken. Die häuslichen Gegenstände erzeugen in mir einen Zustand vetrauter Harmonie. Ihre Installationen haben einen meditativen Charakter.

 

In L.A. sind nur vereinzelt Menschen auf der Strasse. Man legt die Wege im Auto zurück…

 

…das sich durch endlose Strassen schiebt…

 

…unter dem Bonbon-farbenen Himmel.

 

Die nostalgische Ästhetik der Anzeigenschilder…

 

…ist ein Traum für Typographen.

 

In West-Hollywood verschwindet die Sonne hinter gakeligen Palmen – und ich bin gespannt auf die Kunst, die mich morgen erwartet.

 

 

LINKS

MOCA: www.moca.org

Don´t look back: The 1990s at MOCA

BROAD Museum (WELT Artikel)

Sarah Sze.com (Website)

Außerdem sehenswert – Larry Clarks Film „WASSUP ROCKERS“ (Trailer), der die Unterschiede der amerikanischen Klassengesellschaft thematisiert : mexikanische Punkrocker aus LA´s Ghettobezirk South Central treffen auf die Rich Kids in Berverly Hills.

Auch sehr interessant : Der kritische, aber niemals voyeuristische Blick der amerikanischen Fotografin Laureen Greenfield  (Website Link) über Teenager, Girl Culture und das frühe Erwachsenwerden in Los Angeles: FAST FORWARD – GROWING UP IN THE SHADOW OF HOLLYWOOD (VIMEO Link) 

 

 

 

 

 

© Fotos: Ulrike Theusner